WAS KANN DESIGN THINKING?

 



Wie denken Designer*innen? Ist Design nur das Gestalten von neuen Produktinnovationen?

Der Begriff und das Verständnis von Design ist im Umbruch und beschreibt in der heutigen Zeit nicht mehr nur industriell gefertigte Produkte, es werden soziale Beziehungen, Politik, Selbstbilder und die Umwelt gestaltet. Der Kunsttheorethiker Bazon Brock beschreibt, dass die gegenständliche Welt nicht von der sozialen getrennt werden kann: Denn Gegenstände werden dazu benutzt, um zwischenmenschliche Beziehungen zu gestalten und zu beeinflussen und somit beinhaltet das Design von Gegenständen auch immer die Gestaltung von Interaktionen, Räumen und Prozessen. Der Wandel des Designbegriffs bedeutet also auch die Veränderung von Lebensdesign. Durch den digitalen Wandel, durch neue Konventionen des Benutzens von Produkten (z.B. Sharing Economy) haben sich neue Anforderungen an Design entwickelt. Wie werden sowohl Mensch-Ding als auch Mensch-Mensch Interaktionen gestaltet? Was ist mit Orten, die nicht Möbel, nicht Architektur, nicht Mode sind? Und wenn Design die Gestaltung der Welt ist, in der wir leben, kann oder muss Design dann auch sozial und politisch sein? Schon vor 40 Jahren rief der Designphilosph Papanek zur Mitgestaltung einer lebenswerten und den Bedürfnissen des Menschen entsprechenden Welt auf. “Alle Menschen sind Gestalter, fast alles was wir tun ist Design, ist Gestaltung, denn das ist die Grundlage jeder menschlichen Tätigkeit”

 

Ausgehend von der Annahme, dass Design soziale Interaktionen gestaltet, wurde beidem Global Government Jam Design Thinking als Methode verstanden, um Lösungen zu entwickeln, die das soziale Miteinander in der der Stadt betreffen.

Teilnehmer*innen aus dem öffentlichen Sektor, aus NGOs und Stiftungen und Designer*innen kamen zusammen um die Bedürfnisse der Berliner Bürger zu erkunden. Nach der Veröffentlichung der diesjährigen Herausforderung wurden Forschungsfragen definiert:

Welchen Einfluß hat Lärm auf das Leben in der Stadt? Wie erleben und nutzen die Bürger*innen Grünflächen, die von der Stadt bereitgestellt werden? Welche Anforderungen an die Gestaltung der Stadtfläche ergeben sich daraus?

Die Teilnehmer*innen schwärmten in den Wedding aus, führten Interviews und entwickelten Ideen und erste Prototypen, die sie direkt wieder auf der Straße testeten. Entstanden sind insgesamt drei Ideen, die Bedürfnisse ansprechen, die aus den Interviews herausgefiltert wurden. Dabei waren die ersten Ideen nicht direkt die erfolgreichsten: Edouard, openmjnd Coach des Government Jams:

 

“Einer der Prototypen war ein Kasten, der an einer Ampel an der Straße aufgehängt wurde und an dem Leute sich Zettel rausziehen konnten. Auf den Zetteln waren Tipps notiert, die je nach Zeitbudget von einer Minute bis eine halbe Stunde reichten, was sie in der Umgebung machen können, um sich eine Auszeit zu gönnen. Dieser Kasten wurde von niemandem betätigt, was das Team auch aus der Ferne beobachtet hat. Nur ein Typ hat sich diesen Kassen ein bisschen genauer angeschaut und ist dann weitergegangen. Das frustriert natürlich aber die Idee wurde weiterentwickelt und letztlich ist ein Riesenteleskop entstanden, eine große Installation in der Stadt, weil klar geworden ist, dass es etwas größeres, Offensichtliches braucht, was die Leute zur Aktion ermutigt und Lust macht, sich damit zu beschäftigen.“ (aus dem Interview von TheDive)

 

Eine andere Idee bezieht sich auf die Frage, wie der öffentliche Raum gestaltet sein sollte, um den Bedürfnissen von jungen Müttern gerecht zu werden.

 

Last but not least, bietet diese App-Idee die Möglichkeit, anhand einer interaktiven Karte, ruhige Orte in der Stadt zu finden und einzutragen.

 

Klar wurde, dass es bei der Gestaltung sozialer Interaktionen vor allem darum geht, seine eigenen Annahmen zurückzustellen und in einen echten Dialog mit den Menschen auf der Straße zu treten, um ihre Bedürfnisse zu erkunden. In den zwei Tagen wurden Ideen entwickelt, die durch die Veränderung des alltäglichen Raumes auf Missstände aufmerksam machen und den Bedürfnissen der Menschen Raum geben.

Abschließend lud openmjnd am letzten Abend zu Impulsvorträgen über Innovationen im öffentlichen Sektor und einer offenen Austausch- und Feedbackrunde ein. Zu Gast waren: Svenja Bickert-Appleby, die über ihre Erfahrungen bei futuregov und der Anwendung Design Thinking im öffentlichen Sektor in den UK berichtete, Héloise le Masne von Civocracy, die über den Aufbau einer Web-Lösung für partizipative Politikgestaltung sprach und Bianca Herlo vom UdK Design Research Lab mit einem Vortrag über partizipative Prozesse in der Stadt- und Politikgestaltung.